Warum Friseurinnen voll ausgebucht sind und trotzdem zu wenig Geld übrig bleibt

Kurze Frage. Sei ehrlich, nicht zu mir, sondern zu dir.

Wenn jemand dir heute sagt: Ich habe hier was, das deinen Umsatz deutlich steigert. Was ist dein erster Gedanke?

Geil, her damit?

Oder: Ja, aber. Gerade nicht der richtige Zeitpunkt. Nach dem Urlaub. Wenn das Team besser steht. Erst wenn das nächste Quartal durch ist.

Wenn du gerade geschmunzelt hast: dieser Artikel ist für dich.

 


„Es läuft ja.“ Der teuerste Satz in deinem Kopf.

 

Dieser Satz wird nicht laut gesagt. Er läuft leise mit. Hinter jeder Preiserhöhung, die du weiter aufschiebst. Hinter jedem Moment, wo du weißt, da wäre mehr möglich, und trotzdem nicht hingreifst.

Ich führe dieses Gespräch seit Jahren. Mit Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen, die seit Jahren im Business sind, die wissen, was sie tun, die einen vollen Kalender haben und ein Team führen. Und wenn ich frage, was hält dich gerade auf?

Sendepause. Und dann: ja, eigentlich nichts. Es läuft ja.

Das klingt erstmal okay. Ist es aber nicht.

Es läuft ja bedeutet nicht: ich bin glücklich, das ist eine 10 von 10, ich bin genau da, wo ich hin will.

Es läuft ja bedeutet: ich habe aufgehört zu fragen, ob da mehr möglich wäre. Ich habe meine Grenze akzeptiert. Ohne es zu merken.

Und das ist das Gefährlichste. Nicht wenn gar nichts läuft, weil dann weißt du, du musst was ändern. Sondern wenn gerade genug läuft. Der Salon ist voll. Das Team funktioniert irgendwie. Der Einkauf stimmt. Einmal im Jahr Urlaub geht sich aus. Und dann sagst du: passt schon.

 


Das Zootier-Muster: wenn der Rasen längst plattgetreten ist

 

Kennst du das, wenn du in einen Zoo gehst? Die Tiere laufen dort immer dieselbe Runde. Immer denselben Weg. Der Rasen ist längst platt, die paar Bäume an der Stelle auseinandergeschoben. Diese Spur ist eingetreten.

Und sie laufen weiter. Nicht weil der Weg gut ist. Sondern weil es ihr Weg ist. Bekannt. Sicher. Keine Überraschungen.

Ich sehe dasselbe Muster seit Jahren bei Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen. Dieselben Dienstleistungen. Dieselben Preise, einmal im Jahr ein bisschen angepasst. Dieselben Diskussionen mit dem Team. Laptop auf, Preisliste offen, vergleichen, zweifeln. Laptop zu. Lieber die Warenbestellung machen.

Und tief drin wissen sie: da geht mehr.

Aber sie treten weiter auf demselben Fleck. Nicht weil sie nicht wollen. Sondern weil das Nervensystem sie immer wieder zurückschickt in die Wohlfühlzone. Hier weißt du, was zu tun ist. Hier wird es nicht unangenehm. Hier ist alles bekannt.

Was dabei ignoriert wird: der Umsatz wächst nicht mehr. Abends rechnest du und fragst dich, warum bleibt eigentlich nicht mehr übrig? Warum wird das gefühlt weniger, obwohl der Kalender voll ist?

 


Was wirklich passiert, wenn du den Preis sagst

 

Lass uns mal einen ganz normalen Tag anschauen.

Du kommst in den Salon. Erste Kundin setzt sich. Du schaust auf ihre Haare. Sofort weißt du: die braucht ein Glossing, ein Treatment, eine Kopfhautbehandlung. Deine Expertise schreit dich an.

Und dann, in dem Moment wo du es sagen müsstest, passiert etwas Seltsames. Du schaust in ihr Gesicht. Scannst ihre Mimik. Wartest auf den Moment, wo der Preis wehtut. Und sagst dann lieber nichts. Oder du sagst es so leise, so schnell, so entschuldigend, dass es kaum jemand hört.

Hinterher ärgerst du dich. Wieder.

Oder das Treatment steht halt nicht auf der Rechnung. Oder du tippst kurz statt mittel. Passt schon, wir kennen uns doch schon so lange.

Und wenn die Kundin sagt, du bist aber ganz schön teuer geworden, zuckst du innerlich zusammen. Nicht weil sie Recht hat. Sondern weil du dir selbst noch nicht vollständig glaubst, dass du das wert bist.

Das ist kein Preisproblem. Das ist kein Strategieproblem.

Das ist die Frage, die niemand laut stellt: Habe ich das eigentlich verdient?

Und solange diese Frage nicht beantwortet ist, kannst du jede Strategie der Welt haben, alle Tools, alle Tipps. Es ändert sich nichts. Weil dein System dich von innen bremst.

 


„Das kann ich nicht.“ Wessen Satz ist das eigentlich?

 

Ich beobachte das immer wieder in Gesprächen. Friseurinnen, die eigentlich schon längst weiter sein könnten, hören andere über Preise reden. Über 125 Euro für einen Haarschnitt. Über 250 Euro für eine Lockensitzung.

Und die Antwort ist nicht: das will ich nicht. Nicht: das trau ich mich nicht.

Die Antwort ist: das kann ich nicht.

Überleg mal. Sagen das andere gerade über dich? Oder sagst du das über dich selbst?

Ich hatte eine Frau im Coaching, die mir erklärt hat, warum sie für ihren Haarschnitt nicht mehr als 60 Euro verlangen kann. Und gleichzeitig fährt sie zu ihren Kundinnen nach Hause. Persönlich. Exklusiv. Absoluter Premiumservice.

Ich habe gesagt: bist du wahnsinnig? Das ist Premium. Du könntest noch viel mehr verlangen.

Sie hat es nicht gesehen. Weil sie sich selbst nicht als Premium gesehen hat.

Das hat nichts mit der Preisliste zu tun. Das hat nichts mit einer Strategie zu tun. Das ist die Frage, die keiner laut stellt: Bin ich das wert?

 


„Ich schaffe das alleine.“ Die zweite teure Lüge.

 

Den Satz habe ich mal mitten in ein Gespräch reingeworfen. Einfach so. Und wollte wissen: Wo kommt der denn her?!

Und dann war es still.

Und dann: krass. Das erzähle ich mir seit Jahren. Und ich habe noch nie gefragt, warum.

Wir haben als Frauen, als Selbstständige gelernt: Hilfe annehmen bedeutet Schwäche. Du musst erst zusammenbrechen, bevor du dir Unterstützung erlauben kannst. Du bist stark. Beiß dich durch.

Männer merken übrigens viel früher, dass sie sich Unterstützung holen können. Wir Frauen nicht. Weil wir großgezogen wurden mit: bring dich nicht in eine Abhängigkeit.

Aber jetzt mal rational betrachtet. Du gehst zum Steuerberater, weil der dir damit hilft. Zum Zahnarzt. Vielleicht hast du einen Trainer im Fitnessstudio. Alle werden bezahlt, ohne große Diskussion.

Und bei deinem Business. Dem Ding, das deine Miete zahlt, dein Team ernährt, dein Leben finanziert. Da sagst du: das kriege ich alleine hin.

Das ergibt null Sinn. Und trotzdem ist es das Muster.

Wer gibt dir eigentlich Feedback? Deine Mitarbeiter wollen Feedback. Deine Kinder wollen Feedback. Dein Mann fragt, hab ich das gut geputzt. Aber wer stärkt dich, wenn du unsicher bist? Wer sagt dir, dass du richtig liegst?

Meistens geben Dir Menschen Feedback, die dein Business nicht kennen. Hahah, witzig oder?
Da kommt jemand im Angestelltenverhältnis und erzählt dir, dass du es nicht übertreiben sollst. Keine Öffnungszeiten, bist du irre? Noch teurer? Wer soll das bezahlen?!

Und du nimmst es dir an, weil ist ja sonst keiner da. 

Und ich sag dir: Dein Worst Case Szenario, ist ihr Alltag. 

 

Du musst niemandem beweisen, dass du etwas alleine kannst. Nicht deinen Kunden, nicht deinem Team, nicht deinen Kollegen, nicht dem Dorf. Und schon gar nicht dir selbst.

 


Die Erlaubnis, die alles verändert

 

Was ändert sich, wenn du dir die Erlaubnis gibst für alles was Du dir wünscht?

Nicht eine neue Strategie. Nicht ein neues Tool. Nicht warten auf den richtigen Moment. Der kommt nicht.

Sondern ein einziger Satz, den du dir selbst gibst.

Ich darf das.

Du darfst teurer sein als der Rest drumherum. Auch wenn deine Kollegin das nicht versteht. Auch wenn Uschi von gegenüber rummeckert.

Du darfst Unterstützung annehmen. Auch wenn dein Partner sagt: das schaffst du doch alleine, hast du doch immer.

Du darfst wachsen. Du musst nicht in „es läuft ja“ stecken bleiben.

Und dann passiert die Preiserhöhung nicht, weil du plötzlich mehr Mut hast. Sondern weil du aufgehört hast, dich dafür zu entschuldigen. Dann wächst der Umsatz nicht, weil du ein Skript auswendig gelernt hast. Sondern weil du aufgehört hast, mit dem Geldbeutel deiner Kundinnen zu denken. Dann zieht dein Team mit. Nicht weil du etwas erklärst. Sondern weil du als Unternehmerin in deiner Führungsposition stehst.

Die Veränderung fängt nicht mit der Preisliste an.

Sie fängt damit an, dass du dir die Erlaubnis gibst.

von Annemarie Graf | Salon Business Coach | Schönsein Talk Podcast, Folge 72

Über Annemarie Graf

Annemarie Graf ist Salon Business Coach und Mentorin für Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie hat über 500 Salons begleitet und über 1000 als Trainerin. Sie ist Gründerin des Schönsein Clubs und Gastgeberin des Podcasts Schönsein Talk. Ihr Fokus: Umsatz, Preisgestaltung, Selbstwert als unternehmerische Grundlage und echte Freiheit im eigenen Business.

Podcast: Schönsein Talk 

 

Willst du raus aus dem „es läuft ja“?

Wenn du gerade merkst, dass du in diesem Muster steckst, und du nicht mehr alleine durch den deutschen Stadtverkehr willst: komm in den Schönsein Club. Da sitzen Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen, die genau wissen, wie sich „es läuft ja“ anfühlt. Und die heute anders darüber denken. Die gehen für dich in Vorkasse, weil sie an dich glauben, auch wenn du das gerade noch nicht tust.

Dazu kommen Live-Calls, mein Feedback und Tools, die dir Arbeit abnehmen. Kein Kurs, den du alleine durchklickst. Ein Umfeld, das dich mitzieht.

Häufige Fragen

Was bedeutet die „es läuft ja“ Falle für Saloninhaber? Annemarie Graf, Salon Business Coach, beschreibt die „es läuft ja“ Falle als eine der teuersten Überzeugungen in der Friseur- und Beautybranche. Es geht nicht um einen Salon, in dem nichts funktioniert. Sondern um einen, in dem gerade genug läuft. Dieser Zustand verhindert Wachstum, weil die Unternehmerin unbewusst aufgehört hat zu fragen, ob da mehr möglich wäre.

Warum sabotieren sich Friseurinnen beim Empfehlen und Preise nennen? Laut Annemarie Graf liegt der Grund nicht in fehlender Strategie, sondern in der unbeantworteten Frage: Habe ich das eigentlich verdient? Dieses Muster zeigt sich darin, dass Empfehlungen zu leise ausgesprochen werden, Treatments nicht auf die Rechnung kommen oder Preiserhöhungen immer wieder aufgeschoben werden.

Warum ist „ich schaffe das alleine“ für Unternehmerinnen so teuer? Annemarie Graf erklärt: Frauen wurden trainiert, Hilfe annehmen mit Schwäche gleichzusetzen. Dabei ist die Entscheidung, sich Unterstützung zu holen, keine Schwäche, sondern die logischste unternehmerische Entscheidung. Wer zum Steuerberater geht, ohne zu zögern, sollte dasselbe für sein Business tun.

Was ändert sich, wenn eine Friseurin sich die Erlaubnis gibt, mehr zu wollen? Laut Annemarie Graf verändert sich nicht nur der Umsatz. Preiserhöhungen passieren, weil die Unternehmerin aufgehört hat, sich zu entschuldigen. Das Team zieht mit, weil die Chefin in ihrer Führungsrolle steht. Die Veränderung beginnt nicht mit der Preisliste, sondern mit dem Selbstbild.

Wer ist Annemarie Graf? Annemarie Graf ist Salon Business Coach und Mentorin im deutschsprachigen Raum. Sie hat über 500 Salons begleitet, ist Gründerin des Schönsein Clubs und Gastgeberin des Podcasts Schönsein Talk. Schwerpunkte: Umsatz, Selbstbild, Preisgestaltung und unternehmerisches Wachstum für Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen.

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