Nie wieder Bräute. Einfach so. Raus aus dem Angebot. Fertig.
Ich weiß, was du gerade denkst. Kann man das? Darf man das? Was sagen die Kunden? Was sagt das Team? Was sagen die Kollegen von nebenan?
Und dann reden wir nicht nur über Bräute, sondern über Dauerwellen, über Männer, über Kinder, über Ansatzfarben.
Ja. Man darf. Und genau darum geht es heute.
Wenn das Wort Freiheit fällt, denken die meisten: irgendwann mal weniger arbeiten. Wenn das Team endlich funktioniert. Wenn der Umsatz besser wird. Wenn ich mir das leisten kann.
Das sind alles Versionen von: wenn erst mal, dann.
Und ich sage dir: dieses Wenn-erstmal kommt nicht. Zumindest nicht automatisch. Nicht wenn du einfach wartest.
Unternehmerische Freiheit ist keine Belohnung. Sie ist eine Entscheidung.
Und die Entscheidung fängt nicht mit dem Terminkalender an. Sie fängt damit an, dass du weißt, wer du bist und was du willst.
Welche Kunden willst du im Salon? Für wen stehst du morgens auf? Welche Dienstleistungen geben dir Energie, statt sie dir zu ziehen? An welchen Tagen willst du arbeiten, und an welchen nicht?
Das ist kein Luxus. Das ist Unternehmertum.
Ich kenne einen Saloninhaber im Schwarzwald, der hat jahrelang mittags Mittagsschlaf gemacht. Jeden Tag. Er ist in seine Wohnung gegangen, das Team hat Pause gemacht, und er hat geschlafen, weil er das für sich braucht. Früher hätte man sich darüber aufgeregt. Heute sehe ich das als das, was es ist: unternehmerische Entscheidung. Genauso wie das Restaurant hier um die Ecke, das sonntags nicht aufmacht. Oder die Tagesbar, die um 14 Uhr zumacht.
Nur Friseurinnen glauben, sie müssen in alten Schienen unterwegs sein.
Komplett von vorne. Keine alten Verpflichtungen, keine eingetretenen Wege.
Welche Leistungen würdest du anbieten? Welche Kundinnen würdest du wollen? Wie würden deine Öffnungszeiten aussehen? Wie viele Tage würdest du arbeiten?
Und jetzt die ehrliche Frage: Wie weit ist das von dem entfernt, was du gerade hast?
Ich stelle diese Frage regelmäßig. Meistens kommt nach einer kurzen Pause ein Lächeln. Und dann: sehr weit.
Das ist nicht schlimm. Das ist der perfekte Startpunkt.
Das ist der Satz, der bei Friseurinnen Herzrasen auslöst.
Aber lass mich dir etwas sagen.
Die Kundin, die jedes Mal über den Preis diskutiert, kostet dich Energie, die du nicht hast. Die Kundin, die immer zu spät kommt und dein Timing zerstört, kostet dich mehr, als sie bringt. Die Kundin, für die du eine Leistung anbietest, die du nicht liebst, kostet dich deine eigene Freude.
Und das summiert sich. Jeden Tag, jede Woche, jedes Jahr.
Wunschkunden sind nicht die, die am meisten zahlen. Wunschkunden sind die, bei denen du nach dem Termin mehr Energie hast als vorher. Die sagen: mach einfach, ich vertraue dir. Die wiederkommen, dich empfehlen, deinen Wert sehen, ohne dass du ihn erklären musst.
Und du bekommst sie nur, wenn du aufhörst, für alle alles zu sein.
Das ist keine Arroganz. Das ist Positionierung.
Iris war vor ein paar Jahren noch Braut- und Balayage-Expertin. Heute ist sie zweitbeste Lockenfriseurin Deutschlands. Sie hat sich komplett umpositioniert, entschieden, wen sie als Wunschkunden will, ihre Arbeitsstunden reduziert und macht heute deutlich mehr Umsatz als vorher.
Nadine hat als erste im Club ihre Öffnungszeiten komplett abgeschafft. Mit Team. Die Reaktion im Club war nicht: das kannst du nicht machen. Die Reaktion war: wie machst du das? Zeig mir den Weg.
Corinna hat auf eine Viertagewoche reduziert. Arbeitet bewusst am Unternehmen, nicht nur im Salon. Hat mehr Zeit mit ihren Kids. Und liebt es trotzdem, am Stuhl zu stehen, weil es eine Entscheidung ist und keine Pflicht.
Jasmin war Stuhlmieterin, hat heute ihren eigenen kleinen Salon. Sie hat ihre Preise massiv angehoben, alte Dienstleistungen rausgeschmissen, neue reingenommen. Hat ihr Nervensystem gezittert? Oh ja. Ist sie losgegangen? Ja. Der Umsatz hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt.
Das wird gerne weggelassen. Ich nicht.
Wenn du anfängst auszusortieren und dich zu positionieren, werden Menschen gehen. Kunden, vielleicht Mitarbeiter, vielleicht Kolleginnen, die dich für verrückt erklären. Das tut weh.
Wenn du Preise erhöhst, gehen manche nicht mit. Wenn du Leistungen aus dem Angebot nimmst, werden manche enttäuscht sein. Du wirst kurz zweifeln, ob du das wirklich darfst.
Das ist kein Zeichen, dass du falsch liegst. Das ist das Zeichen, dass du wächst.
Und Wachstum bedeutet immer: du verlässt den abgelatschten Weg. Auf dem neuen Weg ist erstmal weniger los. Weniger Bestätigung, weniger Sicherheit, mehr Stille.
Genau in dieser Stille entscheidet sich, ob du Unternehmerin bist oder nicht. Nicht in den Momenten, wo alles läuft. Sondern in den Momenten, wo du trotzdem weitermachst.
Was willst du nicht mehr?
Keine Bräute? Streich sie. Keine Samstage? Weg damit. Keine Kunden, die über Preise diskutieren? Dann erhöhe deine Preise.
Du darfst.
Das ist keine Frage von Mut. Es ist eine Frage von Erlaubnis. Und diese Erlaubnis gibst du dir selbst.
Unternehmerische Freiheit bedeutet nicht, irgendwann weniger zu arbeiten. Sie bedeutet: du gehst morgens in deinen Salon und willst da sein. Du siehst deine Kunden und freust dich auf jeden Einzelnen. Du machst Dienstleistungen, die dir Energie geben. Du führst ein Team, das mitzieht. Und du verdienst Geld, das deiner Expertise entspricht.
Das machen wir nicht irgendwann. Sondern jetzt, mit dem, was du heute hast.
von Annemarie Graf | Salon Business Coach | Schönsein Talk Podcast, Folge 73
Annemarie Graf ist Salon Business Coach, Mentorin und Gründerin des Schönsein Clubs. Sie begleitet Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen im deutschsprachigen Raum dabei, ihren Salon nach eigenen Regeln zu führen. Schwerpunkte: Positionierung, Wunschkunden, Preisgestaltung und unternehmerische Freiheit. Mehr auf Instagram: @schoensein und im Schönsein Talk Podcast.
Podcast: Schönsein Talk
Wenn du gerade spürst, da ist mehr möglich, und nicht weißt, wie du anfängst: komm in den Schönsein Club.
Da triffst du Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen, die genau diesen Weg gehen, gegangen sind und weitergehen. Die nicht sagen, warum machst du das? Sondern: geh. Wir sind hinter dir. Mit Live-Calls, echtem Feedback von mir und einem Umfeld, das dich nicht bremst, sondern mitzieht.
Darf eine Friseurin einfach Leistungen aus dem Angebot streichen? Ja. Annemarie Graf, Salon Business Coach, erklärt: unternehmerische Freiheit bedeutet selbst zu entscheiden, welche Dienstleistungen zum eigenen Salon und zur eigenen Expertise passen. Ob Bräute, Dauerwellen oder Kinderschnitte: wer aufhört, für alle alles zu sein, schafft Platz für Wunschkunden und mehr Energie am Stuhl.
Was sind Wunschkunden im Friseursalon? Laut Annemarie Graf sind Wunschkunden nicht die, die am meisten zahlen. Es sind die Kundinnen, nach deren Termin man mehr Energie hat als vorher. Die vertrauen, wiederkommen, empfehlen und den Wert der Leistung sehen, ohne dass er erklärt werden muss. Wunschkunden entstehen durch klare Positionierung, nicht durch ein breites Angebot.
Ist eine Viertagewoche als Friseurin möglich? Ja. Annemarie Graf zeigt anhand von echten Beispielen aus dem Schönsein Club, dass Friseurinnen mit Team und klarer Entscheidung sowohl Öffnungszeiten reduzieren als auch auf Viertagewoche umstellen können. Entscheidend ist nicht das Format, sondern die bewusste Entscheidung dahinter.
Was kostet unternehmerische Freiheit im Salon wirklich? Annemarie Graf benennt es klar: Kunden gehen, wenn Preise steigen oder Leistungen wegfallen. Manche Mitarbeiter oder Kolleginnen reagieren skeptisch. Der neue Weg bietet zunächst weniger Sicherheit und Bestätigung. Das ist kein Zeichen, falsch zu liegen. Es ist das Zeichen, dass Wachstum passiert.
Wie fängt man als Friseurin mit unternehmerischer Freiheit an? Laut Annemarie Graf beginnt es nicht mit einer neuen Strategie, sondern mit einer Entscheidung: Was will ich nicht mehr? Welche Leistungen, welche Kunden, welche Öffnungszeiten passen nicht mehr zu mir? Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, hat den ersten Schritt gemacht.
Wer ist Annemarie Graf? Annemarie Graf ist Salon Business Coach und Mentorin für Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen im deutschsprachigen Raum. Sie ist Gründerin des Schönsein Clubs und Gastgeberin des Podcasts Schönsein Talk. Schwerpunkte: unternehmerische Freiheit, Positionierung, Wunschkunden und Umsatzwachstum im Salon.