Ich bin ja nur Friseurin. Dieser Satz hat mich jahrelang begleitet. Nicht laut. Aber er war da. Vor fast jeder Entscheidung, vor fast jedem Schritt.
Vielleicht klingt er bei dir so:
Ich bin ja nur Friseurin. Ich habe ja nur einen kleinen Salon. Ich habe ja nur eine Ausbildung gemacht. Wir schneiden ja nur Haare.
Heute erzähle ich dir, woher dieser Satz bei mir kommt, was er mich wirklich gekostet hat. Und was ihn schließlich gebrochen hat. Ausgerechnet beim Abendessen mit meiner Tochter.
Ich habe Abitur gemacht. Und danach eine Friseurausbildung angefangen.
Was mir damals entgegengeschlagen ist, vergesse ich nicht. In der Schule hieß es: du wirst nur Friseur. Warum machst du überhaupt Abitur, wenn du nur Friseur werden willst?
Dass ich das Abitur für mich gemacht habe, weil ich Dinge gerne abschließe: hat keinen interessiert.
Aber dann, bei der Zeugnisübergabe, kam meine Schuldirektorin. Hat meine Hand genommen, mir in die Augen geschaut und gesagt:
„Ich denke nicht, dass du nur Friseur werden willst. Ich glaube, dass du in der Lage bist, eine ganze Branche zu verändern.“
Gänsehaut. Tränen. Da war jemand, der geglaubt hat.
Und ich bin Friseurin geworden. Und habe gemerkt, wie krass dieser Beruf wirklich ist. Jemand kommt rein, geht raus und lächelt. Ist wieder bei sich. Sieht sich selbst wieder. Wir kreieren jeden Tag Geschenke. Jemanden zurück zu sich bringen: ist das nicht abgefahren?
Und trotzdem. Dieser Satz ist nicht verschwunden.
Er ist nicht verschwunden, als ich besser wurde. Nicht als ich Stammkunden hatte, Erfahrung aufgebaut habe, wusste, was ich tue.
Er hat einfach neue Kleider angezogen.
Aus „nur Friseurin“ wurde „nur Angestellte.“ Dann „nur Trainerin.“ Dann „nur Social Media Frau.“
Ich habe in Las Vegas auf Bühnen gestanden. Handwerkskammer-zertifizierte Koloristen ausgebildet. War auf Fashion Weeks. Habe eigene Kollektionen gemacht.
Und trotzdem war da immer noch dieses leise: aber bin ich wirklich genug?
Es hat mich fast davon abgehalten, mit meinem heutigen Mann eine Beziehung einzugehen. Das weiß er gar nicht. Nach außen war ich die Starke. Nach innen kam immer wieder: hoffentlich bin ich gut genug.
Und das Verrückte daran: Das ist kein persönliches Versagen. Das ist ein Muster, das in unserer Branche verdammt tief sitzt. Friseurinnen werden nicht als Unternehmerinnen gesehen. Nicht von außen. Und irgendwann nicht mehr von innen.
Dabei führst du ein Team. Kalkulierst Preise. Managst Krisen. Baust Beziehungen auf. Rettest Haare und Selbstwert in einem.
Du bist Unternehmerin. Vollständig. Ohne wenn, ohne aber, ohne nur.
Ich saß beim Abendessen mit meiner Tochter.
Sie legt getrocknete Erdbeeren auf ihr Wurstbrot. So ein crunchiges Ding. Und ich wollte schon urteilen. Wollte schon sagen…
Und dann dachte ich: warum eigentlich nicht einfach machen? Es könnte doch richtig geil werden.
Und auf einmal hat alles angefangen zu kribbeln.
Denn genau das war mein Moment. Nicht ein riesiges Aha-Erlebnis. Kein Seminar, kein teures Coaching, kein Zeichen vom Universum. Ein Wurstbrot mit Erdbeeren. Und die Frage: warum eigentlich nicht?
Ich wollte raus damit. Ich wollte die neue Version von mir einmal in die Welt schreien.
Zwei Stunden später, als meine Tochter im Bett war, haben die Zweifel natürlich wieder angeklopft. Alter, so einfach geht das nicht. Du brauchst einen riesigen Launch. Ein Feuerwerk.
Und dann kam das wichtigste Learning dieses Abends:
Der Switch zu „fuck yes, ich mache das“ hat meine Angst nicht ausgeschaltet. Ich habe nur aufgehört, sie automatisch zum Stoppschild zu machen.
Angst ist nie das Stoppschild. Dieses Zögern, dieses „lass mal lieber noch warten“: das ist das Anzeichen, dass du jetzt diesen Schritt machen kannst.
Ich habe mir an diesem Abend zum ersten Mal selbst die Erlaubnis gegeben. Nicht gesucht bei Kommentaren, nicht gewartet auf Bestätigung. Mir selbst.
Habe mir ein Glas Wein eingeschenkt. Und Schönsein Saloncoaching gestartet.
The rest is history.
Fünf Dinge, die sich für mich verändert haben, seit ich das „nur“ abgelegt habe:
Ich prüfe nicht mehr, ob ich etwas darf. Ich entscheide, ob es zu meinem Leben passt. Das klingt klein. Es ist riesig.
Ich warte nicht mehr darauf, dass eine Entscheidung sich risikofrei anfühlt. Ich vertraue darauf, dass ich mit dem umgehen kann, was danach passiert. Weil ich es bisher immer konnte.
Ich brauche nicht fünf Bestätigungen von außen. Mein bisheriges Können ist Beweis genug.
Ich frage mich nicht mehr, ob ich schon bereit bin. Ich wachse durch die Entscheidung. Nicht davor. Danach.
Ich messe Entscheidungen nicht mehr nur am Risiko. Ich schaue auch auf das Leben, das sie mir öffnen können.
Sie kam im November in meine Welt. Und hat sich kaum reingetraut.
Weil sie ja nur alleine ist, mit einer 15-Stunden-Kraft. Nur ein kleiner, versteckter Laden, den man von außen kaum sieht. Nur überschaubare Umsätze bisher.
Das „nur“ saß in fast jedem Satz.
Wir haben ein erstes Ziel festgelegt. Haben angefangen zu verändern. Preise klarer setzen: zucken. Verantwortung abgeben: zucken. Den eigenen Wert wirklich aussprechen: großes Zucken.
Und dann kam: ich mach das. Ich hab Annemarie im Backup.
In der dritten Monatswoche schreibt sie mir: alle Umsatzziele für diesen Monat eingefahren. Mach jetzt Chilli Vanilli.
Freitags: kann gerade nicht antworten, bin auf dem Weg nach Wien mit meiner Tochter. Hatten heute mit einer Kundin den kompletten Tagesumsatz gemacht. Schließe jetzt zu und geh Aperol trinken.
Heute hat sie eine Kooperation mit einem Sternehotel.
Ihr Salon hat sich nicht vergrößert. Sie hat sich vergrößert.
Wo sitzt bei dir gerade dieses „nur“?
In welchem Satz. In welcher Entscheidung. In welchem Moment, wo du weißt, was der nächste Schritt wäre, aber trotzdem wartest?
Das ist die Frage, die ich dir heute mitgebe. Und wenn du die Antwort kennst und weißt, dass es Zeit wird, dieses Nur endlich abzulegen: dann ist der Workshop Salongröße dein nächster Schritt.
90 Minuten. Nicht über mehr Umsatz, nicht über neue Strategien. Sondern über die Größe, die du dir als Saloninhaberin erlaubst. Wir schauen, wo dein „nur“ sitzt. Und wir finden die Regel darunter.
27. Juli. 13 Uhr. Live via Zoom. 47 Euro. Inklusive Aufzeichnung.
von Annemarie Graf | Salon Business Coach | Schönsein Talk Podcast, Folge 75
Annemarie Graf ist Salon Business Coach, Mentorin und Gründerin des Schönsein Clubs. Sie begleitet Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen im deutschsprachigen Raum dabei, nicht nur erfolgreiche Salons aufzubauen, sondern sich auch innerlich als die Unternehmerin zu erlauben, die sie bereits sind. Mehr auf Instagram: @schoensein_blog und im Schönsein Talk Podcast.
Podcast: Schönsein Talk
Weil ich das so oft sehe. Und weil keine neue Umsatzformel, kein Salonumbau und keine KI der Welt dir dabei hilft.
Ich habe einen Workshop entwickelt. Er heißt Salongröße.
90 Minuten. Die richtigen Fragen. Der richtige Fokus.
Wir schauen uns gemeinsam an, warum du deinen Erfolg immer wieder infrage stellst, sobald er größer wird als gewohnt. Wie du dir wieder selbst vertraust, ihn zu halten und weiterzugehen. Und wie du dieses ständige „bin ich eigentlich gut genug“ Gedankenkarussell endlich stoppst.
27. Juli. Live via Zoom. 47 Euro.
Es gibt eine Aufzeichnung.
Wenn du spürst, dass „eigentlich läuft es ja“ dir nicht mehr reicht: das ist dein Raum.
Warum fühlen sich viele Friseurinnen als „nur Friseurin“? Laut Annemarie Graf ist das kein persönliches Versagen, sondern ein Branchenmuster. Friseurinnen werden gesellschaftlich selten als Unternehmerinnen wahrgenommen. Und irgendwann übernehmen sie dieses Bild selbst. Dabei führen sie Teams, kalkulieren Preise, managen Krisen und bauen täglich den Selbstwert ihrer Kundinnen auf.
Was ist der „Salongröße“ Workshop von Annemarie Graf? Salongröße ist ein 90-minütiger Online-Workshop von Annemarie Graf, der am 27. Juli live via Zoom stattfindet. Kosten: 47 Euro, inklusive dauerhafter Aufzeichnung. Der Workshop richtet sich an Friseurunternehmerinnen, die äußerlich schon viel aufgebaut haben, sich innerlich aber immer noch kleinmachen. Thema: wo sitzt das „nur“ und wie löst du es auf.
Wie überwindet man als Friseurin das Gefühl, nicht gut genug zu sein? Annemarie Graf beschreibt aus eigener Erfahrung: der erste Schritt ist zu erkennen, dass Angst und Zweifel keine Stoppschilder sind, sondern Zeichen, dass der nächste Schritt ansteht. Die Erlaubnis kommt nicht von außen durch Bestätigung, Likes oder Seminare. Sie kommt von innen. Und sie lässt sich erarbeiten.
Wer ist Annemarie Graf? Annemarie Graf ist Salon Business Coach und Mentorin im deutschsprachigen Raum. Sie ist Gründerin des Schönsein Clubs und Gastgeberin des Podcasts Schönsein Talk. Ihre Arbeit verbindet Businessstrategie mit Mindset, weil sie weiß: das eine funktioniert ohne das andere nicht.