Kunden aussortieren im Salon – warum Sabine weg muss

Du öffnest morgens den Terminkalender. Kaffee in der Hand, gute Laune. Und dann siehst du diesen Namen.

Kunden aussortieren im Friseursalon ist kein Luxus. Es ist eine unternehmerische Notwendigkeit.

Vielleicht heißt sie Sabine. Vielleicht Frau Meier oder Petra. Aber du weißt sofort, wer es ist. Denn beim Lesen ihres Namens ziehen sich deine Schultern nach oben. Die Kundin, die immer 5 Minuten zu spät kommt und dann sagt: ich hab heute nicht so viel Zeit, können wir ein bisschen schneller? Die Kundin, die bei jeder Preiserhöhung seufzt. Die einzige, bei der du dir wirklich die Birne machst, ob du deine Preise überhaupt erhöhen kannst.

Die Kundin, nach der du dich fühlst, als hättest du einen Marathon gelaufen. Obwohl du nur Strähnchen gemacht hast.

Und jetzt die ehrliche Frage: Warum sitzt diese Frau noch auf deinem Stuhl?


 

Was schwierige Kunden im Salon wirklich kosten

Nicht Nerven. Wachstum.

Sabine kostet dich nicht nur die 2 Stunden, die sie da ist. Sie kostet dich die halbe Stunde vorher, in der du dich mental auf sie vorbereitest. Die Stunde danach, in der du dich bei deiner Kollegin oder abends bei deinem Partner aufregst. Und sie kostet dich die Energie, die du für die Kundin danach gebraucht hättest. Die Kundin, die deinen vollen Preis bezahlt. Die dich feiert. Die dir vertraut.

Falsche Kunden kosten dich nicht nur Nerven. Sie halten dich in einer Energie, die dich selbst klein hält. Du rechtfertigst dich, machst Kompromisse, denkst mit ihrem Geldbeutel.

Und das Verrückteste: du weißt das. Du spürst das. Und trotzdem sagst du dir: sie bringt ja Umsatz. Ich kann es mir nicht leisten, sie wegzuschicken.

Ich sage dir: du kannst es dir nicht leisten, sie zu behalten.


 

Die Geschichte, nach der ich nie mehr jeden Kunden angenommen habe

Ich hatte im Salon eine Hotelbesitzerin als Kundin. Die Art Mensch, bei der du das Gefühl hattest, du müsstest schon den roten Teppich ausrollen, bevor sie durch die Tür kommt.

Ich hatte an dem Tag drei Kunden gleichzeitig, war im Doppeldecker, hatte noch ein Treatment laufen. Sie wollte waschen, föhnen, Augenbrauen. Ich habe ihr die Farbe mit Wasser von den Augenbrauen gespült.

Und dann dreht sie sich zu mir, sitzt auf dem Friseurstuhl und schaut mich, ich schwöre, von unten sitzend von oben herab an. Und sagt: „Naja Mäuschen, was traust du dir denn zu?“

Es endete damit, dass ich den Salon von innen abgesperrt habe, meinen Vater angerufen habe, die Polizei kam und sie schließlich ihren Preis bezahlt hat. Lebenslanges Hausverbot.

Das war das Worst-Case-Szenario. Aber danach wusste ich: ich muss mich für niemanden klein machen. Das habe ich nicht verdient.


 

Die Angst vor den Lücken im Kalender

Ich kenne den Gedanken, der jetzt kommt.

Wenn ich Sabine wegschicke, habe ich Lücken. Lücken bedeuten weniger Umsatz. Weniger Umsatz bedeutet, ich kann meine Rechnungen nicht bezahlen.

Diese Angstrechnung kommt aus dem, was uns eingetrichtert wurde: sei dankbar, diene, nimm jeden an, du bist doch Friseur wie alle anderen.

Aber lass mich dir erzählen, was in der Realität passiert, wenn du Kunden aussortierst, die nicht mehr zu dir passen.

Erstens: Du hast plötzlich wieder Luft zum Atmen. Der Stein im Magen ist weg.

Zweitens: Du machst Platz. Real im Kalender, aber auch energetisch. Solange Sabine auf dem Stuhl sitzt, auch nur in deinem Kopf, kannst du keine Wunschkundin dorthin setzen.

Drittens, und das ist das Wichtigste: Du veränderst deine Haltung. In dem Moment, wo du sagst, diese Art von Kunden bediene ich nicht mehr, triffst du eine Entscheidung für deinen eigenen Wert. Du sagst dir selbst: ich bin so gut, dass ich aussuchen darf.

Und diese Haltung strahlst du aus. In der Beratung, bei der Preiskommunikation, auf Instagram.


 

Was passiert, wenn Friseurinnen wirklich aussortieren

Ich habe Ladies im Schönsein Club, die sich von 20 bis 30 Prozent ihrer Kunden getrennt haben. Die ganze Dienstleistungen aus dem Programm geworfen haben. Die sich komplett umstrukturiert haben, von der Balayage- und Brautstylistin zur Lockenqueen.

Weißt du, was passiert ist? Der Umsatz ist nicht eingebrochen. Er ist gestiegen.

Weil sie plötzlich Zeit hatten für die Kunden, die Premium buchen. Weil sie die Energie hatten, eine Beratung so zu machen, dass die Kundin sagt: mach einfach, ich vertraue dir. Weil sie nicht mehr aus dem Mangel heraus gearbeitet haben, sondern aus der Fülle.

Corinna vom Tegernsee hat mir letztes Jahr geschrieben: „Ich bin bis Weihnachten ausgebucht. In Tiefenentspannung. Nur mit meinen Wunschkunden. Weil ich die letzten drei Monate Menschen gesagt habe, dass sie bei mir keinen Platz mehr bekommen.“

Sie hatte Schiss davor. Aber sie hat es durchgezogen.


 

Wie dein Salon aussehen könnte

Stell dir vor, du kommst morgens rein und öffnest den Kalender. Und da stehen nur Namen, auf die du dich freust.

Keine zwei Wochen vorher schon dran denken: dieser Freitag ist versaut. Nein.

Da steht die Kundin, die deinen Preis zahlt, ohne mit der Wimper zu zucken. Die, die dir blind vertraut. Die, mit der du lachen kannst, die dir Energie gibt statt sie zu nehmen.

Du machst nur noch Dienstleistungen, die du liebst. Du arbeitest in einem Rhythmus, der zu dir passt. Und wenn du abends abschließt, bist du vielleicht körperlich müde. Aber du bist nicht leergesaugt.

Das ist keine Instagram-Utopie. Das ist der Alltag von Unternehmerinnen, die verstanden haben, dass ihr Stuhl exklusiv ist.

Dein Salon ist dein Wohnzimmer. Du entscheidest, wen du da reinlässt.

von Annemarie Graf | Salon Business Coach | Schönsein Talk Podcast, Folge 76

Über Annemarie Graf

Annemarie Graf ist Salon Business Coach, Mentorin und Gründerin des Schönsein Clubs. Sie begleitet Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen im deutschsprachigen Raum dabei, nicht nur erfolgreiche Salons aufzubauen, sondern sich auch innerlich als die Unternehmerin zu erlauben, die sie bereits sind.  Mehr auf Instagram: @schoensein_blog und im Schönsein Talk Podcast.

Podcast: Schönsein Talk 

 

Der Schönsein Club

Im Schönsein Club gehen wir im August genau das an: nicht nur warum du Kunden aussortieren solltest, sondern wie.

Welche Worte du findest. Wie du dich vorbereitest. Wie du die Angst vor den Lücken aushältst. Und wie du danach damit umgehst.

Mit einer Community, die dir den Rücken stärkt, wenn du am Abend vorher denkst: morgen muss ich ihr das sagen.

Häufige Fragen: Kunden aussortieren im Friseursalon

Darf eine Friseurin Kunden ablehnen oder aussortieren? Ja. Annemarie Graf, Salon Business Coach, erklärt: Der Stuhl einer Friseurin ist der wertvollste Platz im ganzen Business. Wer ihn mit Kunden besetzt, die Energie rauben, Preise diskutieren oder das Team belasten, blockiert aktiv das eigene Wachstum. Kunden aussortieren ist keine Arroganz, sondern eine unternehmerische Entscheidung.

Was kosten schwierige Kunden eine Friseurin wirklich? Laut Annemarie Graf nicht nur die Zeit des Termins selbst: Eine schwierige Kundin kostet die mentale Vorbereitung vorher, die Nachbearbeitung danach und die Energie, die für Wunschkunden gefehlt hat. Falsche Kunden halten Friseurinnen in einer Haltung, die sie selbst klein macht und Wachstum verhindert.

Bricht der Umsatz ein, wenn man Kunden aussortiert? In der Erfahrung von Annemarie Graf aus über 500 begleiteten Salons: nein. Friseurinnen, die sich von 20 bis 30 Prozent ihrer Kunden getrennt haben, berichten von steigendem Umsatz. Der Grund: mehr Energie für Premium-Kunden, bessere Beratungsqualität und eine selbstbewusstere Haltung bei der Preiskommunikation.

Wie sagt man einer Stammkundin, dass man sie nicht mehr bedient? Das ist die Frage, die Annemarie Graf am häufigsten hört. Die Antwort hängt von der Situation ab: Art der Kundin, Dauer der Beziehung, Grund der Trennung. Im Schönsein Club erarbeitet Annemarie Graf mit Friseurinnen konkrete Formulierungen, Strategien und die mentale Vorbereitung dafür.

Was sind Wunschkunden im Friseursalon? Wunschkunden sind laut Annemarie Graf nicht die, die am meisten zahlen. Es sind die Kundinnen, nach deren Termin man mehr Energie hat als vorher. Die vertrauen, wiederkommen, empfehlen und den Preis ohne Diskussion bezahlen, weil sie wissen, was sie an ihrer Friseurin haben.

Wer ist Annemarie Graf? Annemarie Graf ist Salon Business Coach und Mentorin im deutschsprachigen Raum. Sie ist Gründerin des Schönsein Clubs und Gastgeberin des Podcasts Schönsein Talk. Ihre Arbeit: Friseurinnen und Beautyunternehmerinnen dabei helfen, ihren Salon profitabel, positioniert und mit den richtigen Kunden zu führen.

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